Der Spielverlauf
Hier noch einmal alle getätigten Spielzüge in der Historie. Die Kommentare stammen von unserem Partner Schachclub Capablanca e.V. Bad Frankenhausen
1. d2-d4 e7-e6
2. c2-c4 Sg8-f6
„Schwarz hätte im zweiten Zug die Möglichkeit gehabt ins Damengambit überzugehen. Elisabeth geht jedoch allen Verwicklungen aus dem Wege und spielt ein klassisches „safety first“. Im Boxen würde es „Doppeldeckung“, hier könnte es bald „Damenindisch“ heißen. Auch deshalb erwartet die Schachgemeinde auf ein kräftiges schwarzes „B6“, mit dem Ziel Figurendruck - nach der Fianchettierung des Läufers - auf die Felder e4 und d5 auszuüben. Die Damenindische Verteidigung gehört dabei sicherlich zu den sichersten Eröffnungen für Schwarz. Allerdings wird die Schachgemeinde aufgrund des stark positionell betonten Charakters noch lange auf kleine taktische Finessen - das Salz in der Suppen sozusagen - verzichten müssen. Aber noch ist nicht aller Tage Abend: vielleicht überrascht Elisabeth die Hörer-/Leserschaft ja auch bald mit dem Übergang in ein anderes System oder gar mit einer drolligen Neuerung.“
3. Sg1-f3 d7-d5
4. g2-g3 Lf8-e7
"Mit dem vorletzten Zug - Bauer d5 - legte Schwarz nun doch ein erstes Bekenntnis ab. Die bislang eher kompakte Stellung wird zugunsten der Kontrolle des Feldes e4 aufgegeben. Der klassische Ansatz - frühzeitig das Zentrum des Brettes zu besetzen bzw. dort Druck auszuüben, sei es mit Bauern oder leichten Figuren - ist offensichtlich nicht zu widerlegen. Kurzum: alles in bester schwarzer Ordnung. Umso überraschender erscheint hierzu der weiße Gegenzug. Der weiße Bauer auf c4 wird scheinbar aufgeben, zugunsten einer schnellen Figurenentwicklung. Der Bauernzug g3 seinerseits fordert geradezu die Fianchettierung des Läufers nach g2. Der katalanische Läufer muss laufen. Die Schachgemeinde will katalanisch spielen! Allerdings: auch sie bestellt das Feld sozusagen mit Klassischer Moderne. Die Eröffnung ist in den letzten Jahren stark in Mode gekommen und wird von fast allen Großmeistern im Repertoire geführt. In jedem Fall: eine elanvolle Erwiderung auf den klassischen Ansatz Elisabeths. Mit Spannung wird von der Hörer-/Leserschaft der schwarze Gegenzug erwartet. Aus einer Fülle möglicher Abspiele ist wohl nun die kurze Rochade zu favorisieren. Mit verteilten Chancen."
5. Lf1-g2 0-0
6. 0-0 d:c4
7. Dd1-c2 a7-a6
8. a2-a4 Lc8-d7
9. Dc2:c4 Ld7-c6
10. Sb1-c3 b7-b5
"Erstes Resümee nach zehn Zügen: Weiß hat kaum Angriffschancen gegen die kompakte schwarze Stellung! Auch wäre wohl ein verfrühter Angriff (z.B. 9. Se5 statt Dxc4) ohne abgeschlossene Entwicklung schnell zur Harakirivorstellung mutiert. Im Fernschach gleicht der geringste Fehler dem Zwinkern des Scharfrichters... Zweites Resümee nach zehn Zügen: die Schachgemeinde spielt besonnen. Und versucht schwarzes Gegenspiel einzudämmen (z.B. 8. a4. Mit dem Ziel b7-b5 nebst Lc8-b7 nachhaltig zu verhindern). Schwarz musste deshalb die Läuferentwicklung "um die Ecke" Ld7 nach c6 vornehmen. Weiß wartet auf seine Chance. Und auf einen (ex)weltmeisterlichen Angriff Elisabeths. Schließlich soll die Partie nicht unter der Rubrik "Langweiler" im Remishafen "Abendfrieden" herumdümpeln...."
11. Dc4-d3 b5-b4
"Das war eine Steilvorlage für Elisabeth! Der zehnte Zug der Schachgemeinde war wohl der schwächste in der bisherigen Partie ... Der an zweiter Stelle gevotete Lc1-g5 wäre für die weitere Entwicklung deutlich besser gewesen. Jetzt muss sich zunächst die Dame zurückziehen (11. Dc4-d3). Nach dem zwangsläufig folgenden b5-b4 von Schwarz hat auch der fürwitzige Springer nur die Option zum Rückzug auf die Grundlinie und damit ist Weiß vollends in der Defensive angelangt. Es sieht somit ganz danach aus, dass die Schachgemeinde ihre volle Konzentration braucht, um noch ein Remis zu erreichen."
12. Sc3b1 Lc6-e4
13. Dd3-d1 c7-c5
14. Sb1-d2 Le4-d5
15. d4:c5 Sb8-d7
16. c5-c6 Ld5:c6
17. Sd2-c4 Lc6-d5
"Eine Zwischenbilanz. Auf katalanischem Feld. Nach 17 Zügen. Und davon sage und schreibe sechs Zügen des schwarzen Damenläufers! Für jeden noch so mittelmäßigen Schachspieler ist schon das zweimalige Ziehen ein und derselben Figur in der Eröffnung verpönt. Hier bleibt jedoch kein Grund des Tadels zu vermelden. Der unternehmungslustige Läufer Elisabeths beherrscht die Diagonale und zwingt Weiß ein ums andere Mal seine Entwicklung weiter zu vernachlässigen. Weiß musste nach dem Zug 10. Sc3 etliche Tempoverluste hinnehmen und steht nun am Beginn des Mittelspiels vor einigen positionellen Schwierigkeiten. Vor allem der Bauer auf B4 steckt wie ein Dorn in der weißen Stellung. Es gibt aber auch die zweite Seite der Medaille: jeder vorgerückte Bauer hinterlässt Löcher (c6, c5, c4) in der Stellung. Die Schachgemeinde sollte bestrebt sein, gerade diese zu nutzen. Nun ja, Elisabeth braucht solange nichts zu fürchten wie der schwarze Damenläufer nicht von der Diagonale h1-a8 vertrieben wird. Kurzum: Nichts ist entschieden ! Und vermutlich noch alles Theorie...."
18. b2-b3 Ld5:c4
19. b3:Lc4 Ta8-c8
20. Sf3-d2 Dd8-c7
21. Lc1-b2 Tf8-d8
22. Dd1-c2 a6-a5
23. Sd2-b3 Sd7-c5
24. Sb3-d4 Dc7-b6
25. Sd4-b5 b4-b3
26. Dc2-c3 Sf6-e8
27. Dc3-e3 Se8-d6
28. Tf1-c1 h7-h6
„Eine durchaus verzwickte Stellung ! Nach anfänglichen Irritationen hat sich die Schachgemeinde nicht von der kompromisslosen Spielweise Elisabeths entmutigen lassen und fand allmählich den Weg zum Gegenspiel. Trotz oder gerade aufgrund schwieriger Kommunikation reagierte Weiß flexibel auf den Druck. Das weiße Läuferpaar kompensiert möglicherweise bislang den schwarzen Stellungsvorteil. Der Springer auf b5 tritt am Damenflügel sehr hübsch auf die Bremse schwarzer Angriffsbemühungen. Elisabeth dagegen hat die offene d-Linie unter Kontrolle gebracht und der weit vorgerückte Freibauer übt schon jetzt eine lähmende Wirkung auf die weiße Stellung aus. Eine strategische Betrachtung. Nun zur taktischen. Nach dem letzten weißen Turmzug (28. Tf-c1) hätte Schwarz die Möglichkeit einer kleinen Kombination (28. … Sxa4, 29. Txa4, Dxe3, 30. fxe3, Sxb2 usw.) gehabt. Schön anzusehen, aber ohne entscheidenden Durchschlag und vermutlich wirkungslos verpuffend. Elisabeth roch den Braten offensichtlich und bestellte das Ackerfeld g5 für eine schnelle Läuferansaat. Die nächsten 10-15 Züge werden wohl eine Vorentscheidung bringen. Es entwickelt sich eben ….“
29. h2-h4 Sd6-f5
30. De3-f3 Td8-d2
31. Lb2-c3 Sc5-e4
32. Df3:e4 Sf5:g3
33. De4-g4 Sg3:e2+
34. Kg1-h1 Se2:c3
35. Tc1:c3 Le7-f6
36. c4-c5 b3-b2
"Bei dieser erfrischenden Spielweise Elisabeths sollte es Weiß nicht schwerfallen souverän aufzugeben. Der schwarze Sieg ist nach dem schwachen Zug von Weiß 33. Dg4 nicht mehr aufzuhalten. Der Rest ist lediglich eine Frage der Technik". Spielentscheidend waren sicher die viele Tempoverluste am Anfang und eine Reihe ungenauer Züge im Mittelspiel. Bemerkbar machte sich hierbei die fehlende Abstimmung untereinander; ein konsequent verfolgter weißer Plan war nicht in Ansätzen erkennbar. Im Gegensatz dazu war Schwarz in der Lage frühzeitig die Initiative zu ergreifen und den Druck auf die weiße Stellung kontinuierlich zu erhöhen. Highligts großer Schachkunst waren dabei ganz sicher Züge wie 31. ... Se4 und die permanent aufrechterhaltene Drohung Lf6. Sei `s drum: dem Kommentator bleibt nur Elisabeth als der Besseren herzlich zu gratulieren ! Hasta la proxima !"
37. Ta1-b1 Tc8:c5
38. Weiß gibt auf